Geschichte

"Was ganz leicht ist, kann auch nicht sehr kunstreich sein. Was aber kunstreich ist, das will Fleiß, Mühe und Arbeit haben." (Albrecht Dürer)

Der zweite Weltkrieg lag in seinen letzten Zügen als der 14 jährige Günter Retz in eine Uniform gesteckt wurde, um sich an der Front noch dem wahnsinnigen Diktator opfern zu lassen. Als jedoch der Zug in Schmiedefeld in Richtung Osten abfuhr, war Günter bereits wieder unterwegs zurück nach Goldlauter-Heidersbach, seinem Heimatort. Das war am 4. April 1945, Günters 15. Geburtstag.

Bald darauf war der Krieg zu Ende und Günter führte seine Lehre beim Büchsen- macher-Meister Oskar Werner fort. Dort musste er Waffenteile aus dem vollen Material herstellen, wesentliche Waffenteile, wie Lauf und Systemkasten, zu be- arbeiten war für ihn vorerst nicht vorgesehen. Außerdem gehörten Botengänge,
zu Fuß nach Suhl, mit zu seinen regelmäßigen Aufgaben. Im Jahr 1947 ging die Lehrzeit zu Ende. Günter arbeitete noch 3 Jahre bei Oskar Werner und verfeinerte in dieser Zeit seine Fertigkeiten. 1950 wurde Günter Retz bei seinem Onkel Hubert Kessel als Systemmacher eingestellt. (Bild links)

Die Firma Hubert Kessel zählte in dieser Zeit bereits zu den herausragendsten Herstellern von guten Jagdgewehren.
Zusammen mit Kuno Werner arbeitete Günter an den verschiedensten Waffenart-
en und fertigte mit großer Begeisterung hochwertige Jagdgewehr-Systeme. Nach einigen Jahren war er bereits in der Lage die Endmontage der Waffen selbstständig durchzuführen. In dieser Zeit reifte wohl in ihm auch der Entschluss seinen eigenen Betrieb zu gründen, einerseits, um den politischen Zwängen in der DDR weitestgehend zu entkommen, andererseits war die Fertigung von hochwertigen Jagdgewehren nicht nur sein Beruf sondern eben auch seine Berufung geworden. Die Meisterprüfung legte Günter Retz im November 1959 in Suhl ab. Die Genehmigung zur Herstellung eigener Modelle erhielt er schließlich 1961.

Ein Jahr danach, nach einigen Schwierigkeiten, folgte dann die Aufnahme in die Büchsenmacher-Handwerks-Genossenschaft (BÜHAG). Einige ältere Meister wollten die nachfolgende Generation wohl nicht so ohne weiteres in den erlauchten Kreis aufnehmen. Mit einer geschenkten Drehbank, einem Satz gebrauchter Feilen, wenig Startkapital aber mit viel Mut und Optimismus startete die Büchsenmacher- Werkstatt Günter Retz mit der Fertigung von eigenen Jagdgewehren. Doch konnte die Produktion vorerst nur auf Sparflamme laufen da die Fertigung von Jagdge- wehren sehr materialintensiv ist und das nötige Kapital zur Vorfinanzierung noch knapp war. (Bild mitte)
Ein selbständiger Büchsenmachermeister durfte in der DDR seine Arbeit nicht
an den Kunden direkt verkaufen. Materialbeschaffung und Verkauf der fertigen Waffen, auch die Abwicklung bei Reparaturen konnte nur über die Büchsen- macher-Genossenschaft erfolgen. Nach 2-3 Jahren begann Günter Retz nun kombinierte Jagdgewehre, wie Drillinge, Bockbüchs-Flinten, Bockdoppelbüchsen sowie Doppelbüchs-Drillinge und Vierlinge zu fertigen. Auch eine Luxus-Waffe verließ nun ab und an das Haus.

Die Einheit Deutschlands war Günters Traum. Er hatte nicht zu hoffen gewagt,
sie noch zu erleben. Als die Mauer fiel verschwanden mit ihr auch die staatlichen Bevormundungen denen er 30 Jahre ausgesetzt war. Für die Büchsenmacher- Zunft brach eine völlig neue Zeit an. Noch während der DDR-Zeit bildete Günter mehrere Lehrlinge aus darunter auch Torsten Retz, Günters Sohn. (Bild rechts)

Torsten beendete seine Lehrzeit als Systemmacher 1987 mit dem Gesellenbrief und begann schon 1 Jahr danach mit dem Meister-Lehrgang. Seine Meisterprüfung im Büchsenmacher-Handwerk legte Torsten Retz am 10. April 1990 in Suhl ab. An- schließend sollte noch ein 6-monatiges Praktikum als Zielfernrohr-Monteur folgen.
Im  vereinten Deutschland war totales Umdenken erforderlich. Aber Günter und Torsten Retz, die ihr Handwerk bestens beherrschten, bewältigten die ersten schwierigen Jahre. Die ersten Besucher aus den alten Bundesländern waren Büchsenmacher. Sie staunten, dass noch so viel in Handarbeit gefertigt wurde
und dass es noch möglich war, seltene Teile aus dem vollen Eisen zu feilen.

Günter und Torsten hatten gelernt, auch in scheinbar ausweglosen Situationen
eine Lösung zu finden. Genau das lockte auch die ersten Kunden aus den alten Bundesländern und dem europäischen Ausland an. Kundenwünsche können -
auch bei komplizierten Neufertigungen und Reparaturen erfüllt werden. 1996
wurde die Werkstatt erweitert um mehr Platz für die Anschaffung von Fräs- und Drehmaschinen zu schaffen.

Torsten und Günter Retz arbeiten jetzt im Team mit noch einem Systemmacher und einem eigenen Graveur zusammen. Von nun an war es nun möglich die Produkt- auswahl noch einmal zu vergrößern um auch frühere, bestens bewährte Jagd- waffen-Konstruktionen, die lange Zeit vergessen waren, wieder zum Leben zu erwecken.
 
2007 - Firma Günter Retz, Suhler-Straße 20, 98528 Suhl IMPRESSUM | ANFAHRT | KONTAKT Tel.: 03681 - 461544, E-Mail: